Wandern durch die Provinz Isernia in der Region Molise in Italien

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Wanderung zur Hügelortschaft Carpinone in der Region Molise

Von Carovilli nach Carpinone: Auf den Spuren Kaiser Friedrich II.

Durch eine liebliche Hügellandschaft geht es in leichtem Auf und Ab entlang der alten Schafwege, den Tratturi, nach Pescolanciano. Teils auf ruhigen Asphaltstraßen, teils auf Steigen und Pfaden erreichen wir die reizende Ortschaft Carpinone.

Der Erzengel-Michael-Weg

Dieser Beitrag stammt aus dem Buch von
Angela Maria Seracchioli
Der Erzengel-Michael-Weg
Auf dem ältesten Pilgerweg Italiens nach Monte Sant´Angelo am Gargano
Tyrolia Verlag
ISBN 978-3-7022-3427-0
192 Seiten, 21,95 EUR

mit freundlicher Genehmigung des Tyrolia Verlags

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Vom Dorfplatz aus folgen wir aufwärts der Provinzstraße, bis wir links auf dem Hügel die Kirche San Domenico erreichen, die sich mitten auf dem Tratturo befindet und zu Zeiten der wandernden Schafherden eine Zollstation war. Wir folgen auf der anderen Seite des Hügels abwärts kurz dem Tratturo, bis wir auf einen Asphaltweg kommen, der auf der linken Seite des Tratturo abwärts führt. Hier wurden in den ehemals öffentlichen Tratturo Häuser hineingebaut und Zäune errichtet, sodass dieser nicht mehr so gut erkennbar ist. Wir folgen dem Sträßchen auf der linken Seite des Tales stets abwärts, zweigen nach 300 m links ab, ignorieren die Abzweigungen nach der Rechtskehre, bis wir in die Ebene hinunterkommen. Wir biegen links ab, gehen über die Brücke und folgen dieser angenehmen und ruhigen Straße, die an einem großen Verpflegungs- und Übernachtungsplatz der damaligen Transhumanz vorbeiführt. An der Straßenseite gibt es immer wieder Schilder, die auf den Tratturo hinweisen.

Auf dem Tratturo bei Carovilli (Foto: Angela Seracchioli)
Tratturo bei Carovilli

Gleich nach einer größeren Tratturo-Erklärungstafel biegen wir links ab und gehen über eine kleine Brücke einem Bauernhaus zu, an dem wir links vorbei gehen. Wir halten uns links aufwärts und folgen auf einem Traktorweg dem Tratturo, der hier recht verwachsen ist. Die Tratturi gehen immer möglichst geradeaus und folgen der einfachsten und logischsten Möglichkeit, im Gelände weiterzukommen. Dieser Tatsache dürfen wir auch vertrauen, wenn es Zweifel gibt. Wir gelangen abwärts in eine Niederung und auf einen breiten, schönen Schotterweg.

Bevor es wieder aufwärts geht, zweigen wir links ab auf einen schmaleren Weg, der uns angenehm eben den Hang entlang führt und eine herrliche Aussicht bietet. Immer wieder gibt es hier Wegabschnitte, auf denen die Steine zu erkennen sind, mit denen der Weg gepflastert war, der die Tratturi entlang angelegt war für die Versorgungstrupps, die die Schafherden begleiteten. Auf einem der Steine ist noch das antike Siegel dieses Tratturo „RF Regio“ auszumachen, und wer genau hinsieht, kann rechts in den Stauden noch die Mauerreste der Kirche Santa Maria dei Vignali erkennen, die auf die Zeiten der Transhumanz und die antike Besiedlung durch die Samniten zurückgeht.

Bald schon taucht zu unseren Füßen aus diesem Grasmeer die Ortschaft Pescolanciano auf (Geschäfte, Bars), die von einer großen Burg beherrscht wird. Vor den ersten Häusern des Dorfes befindet sich rechts das Häuschen von Maria Assunta, einer herzlichen, liebevollen Frau, die sich über Pilgerbegegnungen freut. Gerne stellt sie für ein einfaches Mittagsmahl mit Pilgerfreunden schon mal ihren großen Spaghettitopf auf den Herd.

Die so genannten Tratturi, 60 Neapolitanische Schritte (= 111,6 m) breite Graswege für den Viehtrieb, verdanken ihre Entstehung der Transhumanz. Diese jahreszeitlich bedingte Wanderschaft von Mensch und Vieh zwischen den Sommerweiden im Apennin und den Winterweiden im Tavoliere (Ebene) Apuliens hat die Geschichte der Abruzzen, von Molise und Apulien stark geprägt. Bis zu einer Million Tiere hat eine Mannschaft aus Hirten und Sennen im Frühjahr nach dem Viehmarkt von Foggia auf die Hochalmen getrieben und im Herbst wieder zurück in die großen Ebenen Apuliens.

So große Herden kamen naturgemäß nur langsam voran und waren bis zu drei Wochen auf dem Weg. Unterwegs wurde gemolken, gekäst, Tier und Mensch verpflegt, und noch heute zeugen Reste von Verpflegungsstätten (in Piana di Navelli, Peltuinum und andernorts) von dieser nomadischen Wirtschaftsweise.

Entlang der Tratturi befinden sich auch geheimnisvolle, abgelegene Kirchen, die durch ihre einfache Architektur bestechen und die einst den Hirten als Einkehrstätten dienten. Neben den Kirchen boten auch so genannte taverne, eine Art Herberge, den Hirten Unterschlupf.

Entlang der Tratturi sind Ortschaften entstanden, meist auf Hügeln gelegen, die aus dicht zusammengedrängten Häusern bestehen, die vollständig aus rohem Stein gebaut wurden. Die mittelalterlichen Häuser sind so ineinander verschachtelt, dass sie eine Art Stadtmauer und einen äußerst wirksamen Verteidigungsring gegen Angriffe bildeten. Den Wohlstand, der in der Architektur und den zahlreichen Kunstschätzen erkennbar ist, verdankten diese Orte der florierenden Viehzucht.

Einzigartig für diesen Landstrich sind ferner die Terrassierungen und Trockenmauerbauten, mit denen die Vorfahren der heutigen Bewohner dem Gebirge kleine Weideflächen abtrotzen. Diese Tholoi, Bauwerke mit Kraggewölbe, die in Trockenbauweise ohne die Verwendung von Mörtel ausgeführt wurden, fügen sich ganz wunderbar ins Landschaftsbild ein. Die weitläufige Hochebene ist für den Anbau von äußerst feinem und wertvollem Safran berühmt.

Kirchen und Tavernen boten den Hirten auf ihrer Wanderschaft von der Sommer- zur Winterweide eine Unterkunft (Foto: Angela Seracchioli)
Tratturi Taverne

Nachdem wir das einladende Dorf besichtigt haben, gehen wir hinunter auf die Staatsstraße. Hier gibt es nun zwei Möglichkeiten: man kann rechts in die Staatsstraße einbiegen und mehrere 100 m über diese viel befahrene Straße gehen bis zur Abzweigung nach Carpinone und dort rechts über die Provinzstraße aufwärts. Oder – wenn man die Staatsstraße vermeiden möchte – man zweigt im unteren Teil des Dorfes nach dem Dorfplatz in der Linkskurve rechts in den schmalen asphaltierten Weg ein, geht abwärts am Klärwerk vorbei, dann über eine breite Brücke, durch einen kleinen Tunnel unter den Bahngeleisen hindurch und auf der anderen Seite wieder hinauf. Wir biegen rechts in die Provinzstraße ein, gehen über die Überführung der Schnellstraße und folgen den Straßenschildern nach Carpinone.

Die Provinzstraße SP 45 führt uns in einigen langgezogenen Kehren auf den Valico di Totila („Attila-Pass“), der zwar so heißt, aber als San-Venditti-Pass bekannt ist. Abwärts zweigen wir bald nach der ersten Kurve rechts in einen Schotterweg ab, der an einer langen Mauer entlang führt und bald schon sanft und schattig inmitten von Wald und Wiesen, zeitweise parallel zur Bahnlinie, verläuft. Bei ei-nem aufgelassenen Steinbruch gehen wir rechts abwärts und gelan-gen nach Sessano del Molise.

Die Burg von Pescolanciano (Foto: Angela Seracchioli)
Burg von Pescolanciano

Hier halten wir uns rechts und unterqueren die Bahn. Bevor dieser Weg in die Staatsstraße mündet, links weitergehen, parallel zur Straße auf dem angenehmen Feldweg bis zum kleinen Dorfplatz, wo es einen Brunnen gibt. Nun gehen wir links über die Straße hinauf zur wenig befahrenen Schnellstraße, auf der wir in 7 km nach Carpinone gelangen. Leider gibt es für dieses Streckenstück keine Aus weichmöglichkeit abseits der Hauptstraße.

Variante für Fahrradpilger

Die antiken Tratturi sind für Fahrräder großteils nicht gut geeignet. Es empfiehlt sich, in Carovilli den Hinweisschildern nach Pescolanciano zu folgen, ca. 6 km, dann weitere 7 km nach Sessano del Molise und von dort auf der SS 85 bis zur Ortschaft Carpinone.

Unterkünfte

Pescolanciano:
- Wer die Etappe halbieren möchte, um die samnitischen Ausgrabungen von Pietrabbondante zu besuchen (es kann ein Taxidienst organisiert werden), findet im B&B Pasquale Vitullo Unterkunft, Pilgerpreis, Tel.: 0865/832303

Carpinone:
- Frau Maria Malerba bietet in ihrem Haus 6 Betten mit gutem Frühstück für  Pilger, es befindet sich in der Kurve am Eingang des Dorfes in der Pizzeria La Casetta, Via Ponte Nuovo, Tel.: 340/9734359

Sehenswürdigkeiten

Pescolanziano und seine Burg

Das Dorf entstand rund um die imposante Burg, die Rastplatz für die Wanderhirten aber auch für die Pilger war, die zum Engelsberg am Gargano und häufig von dort weiter ins Heilige Land pilgerten. Die Existenz dieser samnitischen Festungsanlage ist seit der Zeit des Alboinos gesichert, also bereits für die Zeit um 573 v. Chr. Hier soll Kaiser Friedrich II. den Angriff und die Zerstörung der Burg von Carpinone und die Invasion von Isernia zur Sicherung des Knotenpunktes auf der Straße nach Apulien geplant haben. Einst einfache Festung, wurde sie im 15. Jh. ausgebaut und u. a. mit einer Kapelle versehen, in der Reliquien des hl. Alexander aufbewahrt sind und nach alter Templertradition verehrt wurden. Mit der notwendig gewordenen Restaurierung nach einem schrecklichen Erdbeben zu Beginn des 19. Jh. entstand ein herrschaftlicher Wohnsitz. Ein Teil der Burg ist nunmehr im Besitz der Provinz Isernia.

Tartturi in Molise
(Foto: Angela Seracchioli)

Wie in der gesamten Region Molise wird in Pescolanciano die hl. Mutter Anna sehr stark verehrt. An ihrem Festtag, dem 25. Juli, wird das Fest der Heugarben gefeiert, ein antikes Erntedankfest. In der Volksreligiosität steht die hl. Anna für das Prinzip Schöpfung, sie ist die große Mutter und das Sinnbild für die Fruchtbarkeit des Bodens und das Gedeihen des Getreides. Für die bäuerliche Gemeinschaft ist sie die Magna Mater Frumenti. Für den großen Umzug an ihrem Festtag flechten die Frauen des Dorfes Getreideähren und schmücken Heugarben mit Blumen. Beim Festumzug selbst tragen die Frauen die historische Tracht und die Männer die Kleidung, die einst die Mäher (mietitori) getragen haben. Während die Statue der hl. Anna am 25. Juli den Festumzug beschließt, ist sie am 26. Juli an der Spitze des Festumzugs.

Carpinone
Etwa acht km östlich von Isernia gelegen, in einen Mischwald eingebettet, thront die Ortschaft Carpinone – wie ganz typisch für die Gegend – auf einem Hügel. Überragt wird sie von der eindrucksvollen Burg Caldora, die auf das 10. Jh. zurückgeht, im Jahr 1223 von den Truppen Friedrichs II. zerstört und im 14. Jh. wieder aufgebaut wurde.

Auf einem Hügel liegt die Ortschaft Carpinone (Foto: Angela Seracchioli)
Carpinone

Text und Fotos: Angela Maria Seracchioli

Alle Angaben wurden von der Autorin nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Wandertouren-Magazin.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Hinweis der Redaktion:
Diese Wanderroute stammt aus dem Wanderführer „Der Erzengel-Michael-Weg” von Angela Maria Seracchioli aus dem Tyrolia Verlag.

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