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01.09.11

Hochbett mit Tiefblick: Eine mutige Nacht in der Steilwand

In den Ammergauer Alpen schlafen Abenteurer im Portaledge unterm Kofel-Gipfel

Nichts für schwache Nerven: Eine Nacht im Hochbett mit Tiefblick (Foto: A. Stückl)

Sie ist etwa so breit wie ein Doppelbett, die kleine Plattform, die unterm Kofel-Gipfel an der Steilwand hängt. Unter ihr tut sich ein fast 450 Meter tiefer Abgrund auf. Was eigentlich für Extrem-Kletterer gedacht ist, die auf ihren vertikalen Touren ein Nachtlager im Fels improvisieren müssen, dient Mutigen nun als einzigartiges Hochbett. Bergführer Simon Bartl geleitet Abenteurer auf die Plattform, hilft ihnen beim Abseilen vom Gipfel und kocht ihnen morgens, nach einer unvergesslichen Nacht, sogar Kaffee. Kletter-Kenntnisse werden für die Touren nicht vorausgesetzt.

„Entwickelt wurde die Plattform, die in der Szene Portaledge heißt, von Kletterern in den USA. Die Aluminium-Konstruktion mit Stoff ist extrem leicht und kann ganz schnell mit Haken und Seilen am Fels befestigt werden”, erklärt Simon Bartl, der das Abenteuer hoch über den Dächern von Oberammergau anbietet und begleitet. Das Lager steht natürlich schon, wenn er mit maximal drei Begleitern am Kofel-Gipfel eintrifft. Dann wird das Kletter-Equipment angelegt und mit dem Abseilen zur rund 15 Meter tiefer angebrachten Plattform steht die erste Mutprobe an.

„Danach heißt es einfach nur: genießen”, sagt Bartl. Auf der 2 mal 1,30 Meter breiten Fläche wird Brotzeit gemacht, in die Tiefe geschaut und die unbeschreibliche Stille ausgekostet, die so typisch für das außergewöhnliche Nachtlager ist. Wer sich satt gesehen hat und sich in seinen Schlafsack kuschelt, ist natürlich angeseilt. Ohne die Sicherheits-Ausrüstung läuft auf der Plattform natürlich nichts. „Alles muss angeseilt werden, sonst ist es weg”, sagt Bartl. Das gilt fürs spärliche Gepäck ebenso wie für die vertikalen Camper.

Nach einer unvergesslichen Nacht, die eigentlich viel zu schade zum schlafen ist, wirft Bartl, der je nach Teilnehmerzahl auf einer eigenen Plattform schlummert, den kleinen Gaskocher an und begrüßt den Tag und seine Begleiter mit frisch gekochtem Kaffee. Damit die Tour auch wirklich zum Erlebnis wird, bietet der 38-Jährige sie nur bei sicherem Wetter an.







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