Zwei Tagesetappen auf dem Anfang der Meseta

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Zwei Tagesetappen auf dem Anfang der Meseta

Einöde - das ist ein richtiges Wort, um den Jakobsweg kurz hinter Burgos zu beschreiben. Man sagt, diese Etappe sei für die Seele anstrengend, so wie andere Etappen auf dem Jakobsweg für den Körper beschwerlich sind.

Die Meseta: eine überwiegend flache und öde Landschaft, die auf's Gemüt schlägt. Doch für Pilgerfüße ist das Wandern in dieser Gegend fast wie eine kleine Erholung (Foto: Eva Klassen)

Zum Glück muss man die platte Landschaft und die ewig gleiche landschaftliche Kulisse nicht allein ertragen. Mit anderen Pilgern kann man über den Weg schimpfen, über das Leben philosophieren und sich wieder auf spannendere Etappen freuen. Ein gutes hat diese Strecke aber doch: Es ist eben und deshalb nicht besonders anstrengend. Bis auf ein paar kleine Anhöhen sind die rund 61 Kilometer von Burgos bis Boadilla del Camino dann auch einfach zu bewältigen - und obwohl die Meseta als Landschaft nicht das Glanzstück des Wegs ist, bietet der Weg auch positive Überraschungen. Zum Beispiel eine der schönsten Herbergen auf dem Camino.

Eine der wenigen Anhöhen auf dem ewig gleichen Weg nach Boadilla del Camino (Foto: Eva Klassen)

Burgos

In Burgos geht die nächste Etappe los. Burgos eignet sich auch sehr gut als Wiedereinstiegsort für die Wanderung, falls man den Weg nicht in einem Stück geht. Die Stadt ist mit Bus, Bahn und sogar Flugzeug zu erreichen. Wer nicht nur am Wandern interessiert ist, sondern auch an Kunst, Kultur und Geschichte, sollte noch einen Extratag in Burgos einplanen. Denn die Stadt hat extrem viele Sehenswürdigkeiten. Aber alle anderen brauchen kein schlechtes Gewissen haben. Schließlich geht es beim Jakobsweg vor allem darum, voran zu kommen und in Gesellschaft anderer Pilger zu wandern.

Die erste Tagesetappe: Von Burgos bis Hontanas

Etwa 32 Kilometer sind es von Burgos bis in den kleinen Ort Hontanas. Burgos ist eine große Stadt. Das ist zwar eine nette Abwechslung, aber das heißt auch: Beim Herauswandern durchschreitet man einige Kilometer Stadtgebiet. Es geht durchs Stadtgebiet und an der Autobahn entlang. Schließlich aber erreicht man Tardajos, etwa elf Kilometer von Burgos entfernt. Hier gibt es einen Einkaufsladen und Cafés, in denen man frühstücken kann. Weiter geht es zunächst durch den kleinen Ort Rabé de las Calzadas. In diesem Dorf beginnt die Meseta. Mesa ist spanisch und heißt Tisch. Meseta bedeutet, dass die Landschaft hier platt und eben ist. Außerdem gibt es kaum Bäume. Die Wanderung führt erst acht Kilometer weiter nach Hornillos del Camino. Auf dem Weg geht es bergauf auf eine Hochebene. Von Hornillos del Camino sind es noch elf Kilometer bis Hontanas. Das Dorf ist klein und schön und hat sogar drei verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger.

Nachdem man die Hochebene bewältigt hat, erreicht man das kleine Dorf Hontanas (Foto: Eva Klassen)

Autsch: Kleine Komplikationen auf dem Jakobsweg

Ja, wenn man beim Wandern einmal den richtigen Rhythmus gefunden hat, kann und will man nicht mehr anhalten. Nichts und niemand kann einen stoppen. Denkt man. Zwar gibt es in der Meseta nach Burgos kaum Bäume, ein paar sind es dann aber doch. Zwar sind an jeder Ecke gelbe Pfeile, die dem Wanderer den Weg weisen, aber manchmal übersieht man auch mal einen. Dann muss man sich umschauen. Da hilft alles nichts. Rechts, links und noch einmal zurückgeschaut: Wohin zeigt der Pfeil bloß? Bloß nicht anhalten dabei, sonst wird der Rhythmus gestört. Also: einen Fuß flink vor den anderen gesetzt, dabei elegant den Kopf schwingen, bis - Boing. Kopf trifft Baum. Autsch. Es war noch früh am Morgen, als ich mir diesen unerwarteten Adrenalinstoß verpasste - sehr zur Belustigung der Pilgergruppe hinter mir. Sollen sich doch die Rhythmus-begabten Spanier um das rechte Taktgefühl beim Wandern kümmern. Augen auf im Jakobswegverkehr wurde seitdem zu meiner wichtigsten Devise. Besonders, weil der Zusammenprall mit dem standfesten Baum meinen Brillenbügel so stark verbog, dass ich mich fortan nicht immer auf meine Sehhilfe verlassen konnte. Autsch...

Bäume gibt es in der Meseta nur sehr wenige (Foto: Eva Klassen)

Zweite Tagesetappe: Von Hontanas bis Boadilla del Camino

Und wieder kommt eine etwas längere Tagesetappe: 29 Kilometer wandert man von Hontanas bis Boadilla del Camino. Eine kurze steile Stelle kommt nach dem Ort Castrojeriz. Ansonsten ist die Landschaft flach. Die nächste Einkaufsmöglichkeit gibt es in Castrojeriz, ein kleiner Ort, der nach etwa zehn Kilometern erscheint. Hier gibt es eine ganze Reihe verschiedener Herbergen, aber die Tagesetappe geht noch weiter. Von der Anhöhe aus, die man nach Castrojeriz bewältigen muss, hat man einen schönen Blick auf die Meseta. Nach rund elf Kilometern erreicht man Itero de la Vega. Hier gibt es wieder unterschiedliche Herbergen und Einkaufsläden. Wer aber noch Kraft hat, geht noch die restlichen neun Kilometer bis Boadilla del Camino. Die Landschaft ist relativ eintönig, aber zumindest wartet in Boadilla del Camino eine geradezu zauberhafte Herberge.

Ziel erreicht: in Boadilla del Camino gibt es verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten (Foto: Eva Klassen)

"Ich weiß, das ist ein Aussteiger", sagte mir ein Mitpilger, als wir eine Weile an der Bar einer privaten Herberge in Boadilla del Camino saßen. Am Eingang eine einladende Bar, rechts daneben ein Tischkicker, vor der Herberge ein riesiger Garten mit kleinem Pool, Bäumen und Sitzecken - und drinnen ein gemütliches Wohnzimmer und schön eingerichtete Schlafsäle. Ob Aussteiger oder nicht: der junge Herbergsvater weiß, wie man müde Pilger wieder munter macht. Und für Gemeinschaftserlebnisse sorgt er auch noch: Die Italiener sollten zu Abend kochen, die Deutschen hinterher abwaschen und aufräumen. So, wie sich das den Klischees zufolge gehört. Und alle zusammen speisten wir Pasta, verbrachten einen sonnigen Nachmittag und einen gemütlichen Abend und legten uns früh in die Federn, um diese zauberhafte Herberge früh am Morgen wieder zu verlassen - so wie es sich auf dem Jakobsweg gehört.

In der privaten Herberge in Boadilla del Camino kann man es sich gut gehen lassen und entspannen (Foto: Eva Klassen)

Fazit

Meseta - die platte Landschaft beherrscht die Strecke hinter Burgos. Und sorgt so doch für Abwechslung. Berge, Hügel, Wälder - alles war schon da. Nun beginnt ein neues Kapitel auf dem Jakobsweg. Manchmal hat man kaum das Gefühl, voranzukommen - so gleichbleibend ist der Weg. Aber ja, man kommt voran. Ab Boadilla del Camino sind es noch etwa 445 Kilometer bis zum Ziel: Santiago de Compostela.

Text: Eva Klassen

Praktische Infos und Herbergen

Tordajos:

Albergue de Tardajos

La Asunción
+34 947 45 11 89

Bar Ruiz
Pozas
+34 947 45 11 25

Rabé de las Calzades:

Liberanos Donine
Am Pilgerbrunnen 2
+34 697 24 84 33

Sta. Marina y Santiago
Plaza Francisco
Ribera 6
+34 670 97 19 19

Virgen de la Guía

+34 947 45 13 41

Hornillos des Camino:

San Román
+34 947 41 10 50

De Sol en Sol
+34 649 87 60 91

El Molino del Camino
+34 947 56 03 02
www.elmolinodelcamino.com

Hontanas:

Antiguo Hospital de San Juan
Real 26
+34 947 37 70 21

El Puntido
La Iglesia 6
contacto@puntido.com
www.puntido.com

Santa Brígida
Real 15
+34 609 16 46 97
sambolysantabrigida@hotmail.com

Castrojeriz:

San Esteban
Plaza Mayor
+34 947 37 70 01

Albergue de Castrojeriz
Cordón 16
+34 947 37 74 00

Camping Camino de Santiago
Virgen del Manzano
+34 947 37 72 55
www.campingcamino.com

La Casa de las Holandeses
Calle Arrabal 8
+34 927 59 32 10
holacasa@telefonica.net
www.telefonica.net

La Mora Cantana
Avenida Colegiata 4
info@moracantana.com
www.lamoracantana.com

Puerta del Monte
+34 947 37 86 47
reservas@puertadelmonte.es
www.puertadelmonte.es

Itero de la Vaga:

Gemeindeherberge

Plaza Virgen del Pilar
+34 979 15 18 26

La Muchila

Santa Ana 3
+34 979 15 17 81

Boadilla del Camino:

Gemeindeherberge
Escuelas
+34 979 81 03 90

En el Camino
Francos 3
+34 979 81 02 84
boadillaman@hotmail.com
www.boadilladelcamino.com

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Tourenbeschreibungen mit vielen nützlichen Infos. Unsere Autorin Eva Klassen ist die Strecke von Frankreich bis nach Santiago de Compostela gewandert.

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