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Sauerland: Viel Wald, ein Stausee und der Orkan Kyrill

Sauerland-Wanderung: von Arnsberg bis nach Plettenberg (Foto: Ursula Pfennig)

Zweitage-Wanderung von Arnsberg bis nach Plettenberg

Wochenend und Sonnenschein? Ideale Voraussetzungen für eine Zweitages-Wanderung im Sauerland.

Die hier beschriebene Tour von Arnsberg nach Plettenberg ist wegen der guten Bahnverbindungen auch spontan leicht zu realisieren. Und sie bietet im Kleinformat alles was man sich von einem Mini-Urlaub wünschen kann: eine romantische Kleinstadt, üppige Natur, schöne Ausblicke und bei warmem Wetter sogar noch Badefreuden am Sorpestrand.

Die Tour:
37,5 km in zwei Etappen (15,2 km + 22,3 km)
Technisch einfache Tour mit sportlichen Anstiegen, zum großen Teil über Wald- und Forstwege.
1. Etappe: 502 m Aufstieg, 399 m Abstieg
2. Etappe: 541 m Aufstieg, 628 m Abstieg

Pluspunkte:
Abwechslungsreiche Wälder, schöne Fernblicke, gute Anbindung an die Bahn, günstige Übernachtung in der Jugendherberge, Bademöglichkeit im Sorpesee, auch mit Schiffstour kombinierbar

An- und Abreise:
Anreise: Bahnhof Arnsberg, Abreise: Bahnhof Plettenberg. Wer eine Rundtour bevorzugt, kann über einen anderen Weg (z. B. durchs Seufzertal) nach Arnsberg zurückkehren.

Zwischen Arnsberg und Stemel: Wo der Orkan Kyrill wütete, überragen einzelne Bäume den Jungwald (Foto: Ursula Pfennig)

Route und Markierung:
Die Tour folgt den Vorschlägen der süddeutsche.de Wandertouren-App (SZ Wander App; im Tourenplaner der App „Bahnhof Arnsberg“, „Jugendherberge Sorpesee“ und „Bahnhof Plettenberg“ eingeben).

Von Arnsberg aus folgt der Weg zunächst der „Waldroute Sauerland“, markiert mit einem „W“, verlässt diese dann, um nach Stemel am Sorpesee zu führen. Tipp: Hier abweichend von der App den Weg über den Kronendamm der Staumauer wählen (und nicht auf halber Höhe auf der Rückseite der Staumauer).

Nach der Übernachtung geht es am nächsten Tag wieder zurück über die Staumauer, um an der Ostseite des Sees nach Amecke zu laufen. Wer will, kann während der Saison auch mit dem Schiff von der Anlegestelle Sorpedamm (www.personenschifffahrt-sorpesee.de) nach Amecke fahren. Von Amecke aus erreicht man über verschiedene, nur zum Teil markierte Wege Allendorf und schließlich Plettenberg.

Frühstück mit Blick auf den See: in der Jugendherberge Sorpesee (Foto: Ursula Pfennig)

Schlafen:
Die Jugendherberge Sorpesee liegt direkt am See und betreibt eine eigene Windsurfing-Schule. Zimmer mit eigenem Bad. Jugendherberge Sorpesee, Am Sorpesee 7, 59846 Sundern-Langscheid, Tel.: +49 2935 1776, www.djh-wl.de/de/jugendherbergen/sorpesee

Sehenswürdigkeiten:
Arnsberg mit Glockenturm, Altem Markt und Klassizismusviertel, Sorpestaumauer, Kyrillwald, Haus Amecke

Essen:
In der Jugendherberge hat es mir geschmeckt, aber Langscheid bietet auch zahlreiche Alternativen. Begehrt sind die Tische im Bistro „El Diablo“, wo in der offenen Küche Burger, Fingerfood und Salate mit Niveau und frischen Zutaten zubereitet werden (El Diablo, Zum Sorpedamm 21,? 59846 Sundern, Reservierung unter Tel. +49 29 35 / 96 46 66 oder www.gehzumteufel.com).

Kyrill:
Die Wanderung macht eine Landschaft erlebbar, die es vor 2007 nicht gegeben hat. In der Nacht vom 18. zum 19. Januar 2007 fegte der Orkan Kyrill über Europa hinweg, das Sauerland gehörte zu den am stärksten betroffenen Regionen. In NRW krachten 25 Millionen Bäume wie Mikadostäbchen übereinander, sechs Menschen starben, dazu acht Waldarbeiter bei Aufräumarbeiten, Waldbesitzer erlitten millionenschwere Verluste.

Die Katastrophe hat das Sauerland in wenigen Stunden völlig verändert. Als Wanderregion ist es attraktiver geworden, und nicht nur wegen der neuen Fernblicke. Die riesigen Windwurfflächen waren vor dem Sturm zu 93% mit Nadelholz bestanden, heute wachsen auf 57% der Flächen Nadelbäume, auf 43% Laubbäume (Quelle: NRW Umweltministerium 2012). In Jungwäldern, die der „Naturverjüngung“ überlassen wurden (41% der Windwurfflächen), explodierte die Artenvielfalt. Die Wälder auf dieser Wanderung sind abwechslungsreich: alte Buchenwälder bei Arnsberg, kühle Fichtenhochwälder bei Plettenberg, die vom Orkan geprägten Jungwälder auf den Höhenrücken am Sorpesee und sogar ein „Kyrillwald“ mit Aussichtsplattform, wo die gestürzten Stämme nicht weggeräumt wurden.

Haus zur Krim am Alten Markt in Arnsberg (Foto: Ursula Pfenning)

Etappe 1: Arnsberg – Langscheid am Sorpesee, 15,2 km
Arnsberg liegt romantisch auf einem Bergsporn in einer engen Schleife der Ruhr. Vom Bahnhof aus führt ein Rad- und Fußweg entlang der Ruhr zur Altstadt. Wo die Autos im Tunnel unter der Altstadt verschwinden, führt etwas weiter links eine Treppe zu einem Durchschlupf in der Stadtmauer. Wir gelangen direkt auf den Alten Markt mit stattlichen Fachwerkhäusern, Brunnen und dem Haus zur Krim, wo der Hexenkommissar Heinrich von Schultheiß lebte. Rechts erhebt sich der Glockenturm, das Wahrzeichen der Stadt, und gleich daneben beweist Computerfreak Uwe Schmidtke Heimatliebe. Unter dem Motto „Echt Sauerland, woll!“ betreibt er ein kleines Technik-Museum und verkauft sauerländer Kunsthandwerk und Spezialitäten, geöffnet freitags und samstags 11-17 Uhr, oft auch sonntagnachmittags. Wir folgen dem Straßenverlauf bergab über den Alten Markt zum Neuen Markt und durch das Klassizismusviertel, bis die Straße an einer Fußgängerbrücke über die Ruhr endet.

Erstes Etappenziel erreicht: Abendstimmung am Sorpesee (Foto: Ursula Pfennig)

Gegenüber weist die Markierung für die Waldroute Sauerland „W“ den Weg neben einer Autowerkstatt vorbei zum Waldrand. Jetzt geht es eine ganze Weile knackig steil nach oben auf den Ochsenkopf. Oben angelangt, ist der sportliche Teil dieser Etappe aber auch erledigt. Von nun an sind die Steigungen harmlos, der Weg schlängelt sich durch prächtige alte Buchen- und Mischwälder. Auf dieser Seite des Berges hat der Orkan Kyrill kaum Schäden angerichtet. Das Bild ändert sich am westlichen Abhang, wo auf großen Flächen nur noch einzelne Bäume den Jungwald überragen. Wir verlassen die Waldroute nun und biegen Richtung Stemel und Sorpedamm ab. Von Stemel ist es nicht mehr weit bis zur Staumauer, von der aus auch schon die Jugendherberge Sorpesee in Langscheid zu sehen ist.
 
Die Seepromenade in Langscheid ist an schönen Tagen ein belebter Treffpunkt. Familien packen die Picknickkörbe aus, junge Paare halten Händchen und Motorradfahren diskutieren Eis schleckend über ihre Maschinen. Mehrere Restaurants und Kneipen erlauben es, den Tag am See angenehm bei einem Bierchen oder auch Cocktail ausklingen zu lassen.  

Haus Amecke: Im Schloss kann auch eine Ferienwohnung gemietet werden (Foto: Ursula Pfenning)

Etappe 2: Langscheid am Sorpesee – Amecke – Plettenberg, 22,3 km
Am nächsten Morgen beginnt die Wanderung mit dem Gang über die Staumauer. Am östlichen Sorpeufer führen Wege auf verschiedenen Höhenstufen nach Amecke. Die SZ-App schlägt eine Route weiter oben vor, mit mehreren Vorteilen: weniger Radfahrer, weniger Asphalt, mehr Morgensonne und eine abwechslungsreiche, von Jungwald und einzelnen älteren Bäumen geprägte Landschaft. Weiter unten hat man dafür jedoch mehr Ausblicke auf den See und kommt an der Aussichtsplattform auf den „Kyrillwald“ vorbei, wo auf drei Hektar die Stämme nicht geräumt wurden. Der Kompromiss führt zunächst zur Aussichtsplattform, um danach zu einer höheren Route aufzusteigen.
 
In Amecke kann man sich in der Bäckerei Tillmann (Ameckerstr. 33) mit Wegzehrung und Getränken versorgen, auch sonntags. Schokoladenkuchen nicht vergessen! Hinter der Kirche St. Antonius mit einem wuchtigen Barockaltar führt ein Fußweg zu Haus Amecke. In dem Schloss wohnen bis heute die Freiherren von Wrede – und Feriengäste. Katharina Freifrau von Wrede vermietet nämlich auch eine Ferienwohnung (Tel. +49 2393 376, www.schloss-ameke.de )

Idyllisch: der Rastplatz an der „Krähe"– ideal für strapazierte Wandererfüße (Foto: Ursula Pfennig)

Die Route führt direkt über den Golfplatz und dann weiter nach Allendorf. Hier zieht sich der Weg ein wenig, denn es gilt, kilometerweit Asphalt zu treten. Hinter Allendorf geht es am Waldrand – zunächst immer noch auf Asphalt – über den Kreuzweg der sieben Schmerzen Marias stetig bergauf. An der letzten Station, wurde 1891 eine ganz reizende, winzige Kapelle errichtet, das „Neue Brünneken“. Ihren Namen verdankt sie einer etwa 400 Meter entfernten Quelle, deren Wasser Heilkräfte zugesprochen wird.

Hinter dem Neuen Brünneken geht es dann wieder in den Wald. Bis nach Plettenberg sind es nun noch etwa 2,5 Stunden durch Misch- und Nadelwälder. Da es keinen durchgängig markierten Wanderweg gibt, hilft zur Orientierung der Blick in die App oder auf die Karte. Ein besonders schöner Pfad, mit dem blauen „W“ als Zuweg zur sauerländischen Waldroute markiert, führt zu einer idyllischen Lichtung an einem Bächlein mit dem Namen „Krähe“. Ein herrlicher Rastplatz: Der Waldrand bietet Schatten, das Moos ist weich und trocken (war es zumindest, als ich dort war), im Bach lässt es sich ganz wunderbar mit den Füßen plantschen und der Schokoladenkuchen aus Amecke harmoniert perfekt mit der letzten Mandarine aus dem Rucksack.

Kurz vor Plettenberg: Bald ist das Ziel der Wanderung erreicht (Foto: Ursula Pfennig)

Kurz hinter dem Rastplatz muss die Straße nach Plettenberg überquert werden. Nach wenigen Metern rechts geht es wieder in den Wald hinein und den Berg hinauf. Es ist der letzte Anstieg vor Plettenberg. Der Abstieg nach Plettenberg verläuft entlang der Blemke und ist auch ein Weg durch die Geschichte des Sauerlands. Im oberen Teil noch ein plätschernder Bach, der nur dem Wild als Tränke dient, reihen sich am Ortsrand kleine Walzwerke und Gießereien entlang des Wasserlaufs. Sie stammen noch aus den Anfängen der Schwerindustrie, als Wasserkraft die Maschinen antrieb.

An der Mündung der Blemke in die Lenne queren wir die Bundesstraße und folgen wenige Meter weiter rechts dem Lenneufer. Der kürzeste Weg zum Bahnhof führt an den Gleisen entlang durch ein kleines Gewerbegebiet. Man kann aber auch weiter dem Lenneufer bis zur Bahnhofstraße folgen und dann rechts Richtung Norden zum Bahnhof abbiegen. Lassen Sie sich nicht irritieren: Der Bahnhof Plettenberg liegt im Ortsteil Eiringhausen, nicht im Zentrum von Plettenberg. Bis spät am Abend verkehren hier Züge Richtung Hagen, Siegen und Essen.

Text und Fotos: Ursula Pfennig

15 Wanderrouten von Aachen bis nach Trier von Jörg Paschke.
1. Auflage 2014

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