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Wandern in der Pfalz: mehr als nur Mittelmaß

Auf dem „Pfälzer Weinsteig” blickt der Wanderer bei Gleiszellen-Gleishorbach über die sanften Hänge der Südlichen Weinstraße. (Quelle: Pfalz Touristik e.V.)

Keine hohen Gipfel, keine Küsten und keine hippen Hotels - die deutschen Mittelgebirge haben ein verstaubtes Image. Doch das soll sich ändern.

Sanfte Hügel, Wald und Wiesen - ein typisches Landschaftsbild der Mittelgebirge. Sie besitzen keine hohen Gipfel, auch keine Küste mit Horizont, und sie sind ein bisschen in die Jahre gekommen. Doch jetzt bewegt sich was in der touristischen Landschaft: Die Mittelgebirge präsentieren sich erstmals gemeinsam, von der Schwäbischen Alb bis zum Zittauer Gebirge. Man will das verstaubte Image abstreifen, die Stärken betonen - und die liegen vor allem beim Wandern.

Bislang zählt der Verband "Deutsche Mittelgebirge" 14 Mitglieder, zwanzig Mittelgebirgsregionen gibt es in Deutschland. Der Verband will weiter wachsen, und ein Interessent ist die Pfalz. Dort startet man mit drei neuen Qualitätswanderwegen in die Saison: "Pfälzer Höhenweg", "Pfälzer Waldpfad" und "Pfälzer Weinsteig" und Waldpfad", alle über hundert Kilometer lang. Die erste neue Route, der "Höhenweg", führt durch das Nordpfälzer Bergland.

Neue Attraktivität für Pfälzer Landidylle

Zwischen Pfälzer Hügeln liegen die Dörfer in lang gestreckten Tälern. Dort geht das Leben seinen gewohnten Gang. So auch im kleinen Ort Lohnweiler im Lautertal, nicht weit von Wolfstein, wo der Höhenweg endet. An der Bushaltestelle in Lohnweiler sind die Zeiten für den Gottesdienst und der Termin für das nächste Schafskopfturnier angeschlagen, das Schild „Schnapsverkauf” führt einmal kurz um die Ecke. Dann gibt es noch das alte Bahnhofsgebäude mit zugenagelten Türen. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein, doch immerhin hält auf dem einzigen Gleis regelmäßig ein Zug. Und der fährt durch das idyllische Tal der Lauter und hält zwei Stationen hinter Lohnweiler, direkt vor dem Reckweiler Hof. Der liegt in einem klassischen Wandergebiet, jetzt auch am Pfälzer Höhenweg. Aber es kommen nicht sehr viele Wanderer hierher.

Die größte Stärke des Mittelgebirges - das Wandern. Mit drei neuen Qualitätswanderwegen will die Pfalz Touristen anlocken. Einer von ihnen ist der „Pfälzer Weinsteig”. (Foto: Pfalz Touristik e.V.)

„In den letzten Jahren werden es immer weniger”, klagt der Gastwirt vom Reckweiler Hof. Der Tourismus in den Mittelgebirgen schwächelt, sieht man von ein paar Ausnahmen ab. Das Stammpublikum stirbt langsam aus, ein zwei- bis dreiwöchiger Urlaub in deutscher Hügellandschaft, das ist mittlerweile die Ausnahme. Und auch die Unterkünfte, viele noch im Stil der 70er- und 80er-Jahre, stoßen kaum mehr auf Sympathie. Küste und Alpen wirken attraktiver, und mit dem Billigflieger geht’s schnell mal ab in den sonnigen Süden.

So erscheint der Verein der Mittelgebirge wie eine Schicksalsgemeinschaft, aus der Not geboren. „Wir brauchen eine starke Stimme im Deutschlandtourismus”, sagt der Vorsitzende Christopher Krull, zugleich Geschäftsführer vom Schwarzwald Tourismus. Der Verband hat sich zwar bereits Ende 2009 gegründet, ist aber erst im März 2011, zur Internationalen Tourismusbörse ITB, an die Öffentlichkeit gegangen. Auf dem Programm des Interessenverbands steht auch die Anhebung des Standards in Hotels und Pensionen. „Zweifellos besteht Innovationsbedarf in einigen der meist familiengeführten Betriebe”, gibt Krull zu. 
Beim Thema Wandern ist die Ausgangsposition der Mittelgebirge allerdings gar nicht schlecht, im Gegenteil. Da ist zunächst mal die Lage: Mittelgebirge gibt es fast überall, man kann sie in kurzer Zeit erreichen. Also ein ideales Ziel für den Kurzurlaub. Dann die Wanderwege: Der überwiegende Teil neuer und teils modernisierter Wanderwege führen durch Mittelgebirge. Durch Wälder und Flusstäler, über moderate Höhen zu Schlössern und Burgen. An sonnigen Wochenenden werden Erfolgswege wie Rheinsteig oder Rothaarsteig fast schon gestürmt. Denn sie bieten vor allem eines: Ruhe und Naturnähe.

Drei neue Wanderrouten durch die Pfälzer Kulturlandschaft

Mit den drei neuen Strecken macht sich nun auch die Pfalz wanderfein. „Was uns bislang fehlte, das waren attraktive, längere Routen mit hohem Bekanntheitsgrad weit über die Region hinaus”, erklärt Tobias Kauf, der neue Projektmanager Wandern bei der Pfalz Touristik. Von einer Mitgliedschaft im Mittelgebirgsverein verspräche er sich eine bessere Vermarktung.

Das Mittelgebirge (hier die Ruine Neu-Wolfstein am „Höhenweg” steht für Wiesen, Wald, Naturnähe und Ruhe. Die „Ur-Landschaft” inmitten Deutschlands will sein staubiges Image ablegen und Touristen locken. (Foto: Pfalz Touristik e.V.)

Der zweite Weg, der „Weinsteig”, orientiert sich an der Weinstraße und berührt Orte wie Deidesheim und Neustadt. Beim Hambacher Schloss führt er steil bergan, die Kiefern lassen viel Licht hindurch. Dagegen sind die Wälder im Naturpark Pfälzerwald ziemlich dicht. Dorthin führt der dritte der neu konzipierten Wanderrouten, der „Waldpfad”. Kilometerweit streift man keine Ortschaft, vertraut sich der Natur an. Genau hier sieht der Mittelgebirgsverein seine Kernkompetenz: Der Wald prägt die Mittelgebirge, und das sei so eine Art deutsche „Ur-Landschaft„. Natur und Mensch im Einklang, dies lasse sich in den deutschen Mittelgebirgen eben noch unmittelbar erleben, heißt es beim Verband. Und damit liegen sie dann doch wieder ganz im Trend.


Text: Karin Kura/Raufeld

Nützliche Wander-Tipps

Ausführliche Informationen (inklusive kostenloser Wanderkarten und -broschüren) gibt es unter:

www.pfaelzer-wanderwege.de

www.deutschemittelgebirge.de

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