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Heidelandschaft und Geschichte: Rundwanderweg durch die Lohheide

von Christiane Kürschner

Bei Bomblitz läuft man durch blühende Heidelandschaft (Foto: Christiane Kürschner)

Wer Geschichte und Natur verbinden möchte, sollte sich in das Landschaftsgebiet der Lohheide begeben. Südlich der Lüneburger Heide, etwa 10 Kilometer hinter Soltau, kann man die kleine Gemeinde Bomlitz zum Ausgangspunkt einer interessanten Rundwanderung machen. Das Landschaftsgebiet Eibia/Lohheide hält nicht nur archäologische Funde bereit, sondern auch neuzeitliche Geschichte zum Anfassen. Ganz nebenbei kann man sich an der blühenden Heide und einer entschleunigten Landschaft erfreuen.

Start in Bomlitz

Der Rundwanderweg beginnt im Bomlitzer Ortsteil Benefeld, als Orientierung kann man die Wanderung am Walter-Christoph-Platz starten. Direkt vor dem Platz befindet sich die Cordinger Straße, die man überquert, um an der Benefeld Michaelis Apotkeke vorbei auf den Sportplatz zuzusteuern. Von dort biegt man rechts in die Gartenstraße. Diese Straße geht man immer geradeaus, entlang des Sportplatzes,  bis man auf die Ludwig-Jahn-Straße einbiegt. Von dort kommt man direkt zur ersten Sehenswürdigkeit dieses Rundwanderweges, der Cordinger Mühle.

Die Cordinger Wassermühle wird für Taufen und Hochzeiten vermietet (Foto: Christiane Kürschner)

Verwunschene Wassermühle

Die Cordinger Mühle ist eine sehenswerte Wassermühle, die recht verwunschen in der Landschaft liegt. Sie soll bereits im Jahr 1408 an das Kloster in Walsrode verkauft worden sein, das mehr als 250 Jahre lang die Grundherrschaft hatte. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Besitzer enteignet und die Mühle durch die Eibia GmbH genutzt. Heute nutzt das Bomlitzer Standesamt die Mühle als Ort für Trauungen, man kann die Räumlichkeiten aber auch anmieten.
Interessant ist auch, dass der Dichter Arno Schmidt von 1945 bis 1950 einige Zeit auf dem damals voll bewirtschafteten Mühlenhof verbrachte.

Von hier geht der Arno-Schmidt-Pfad ab, Wanderer folgen mit Hilfe eines Findlings der Richtung Eibia/Lohheide. Man kommt nun in waldiges Gebiet. Auf der rechten Seite schlängelt sich das Flüsschen Warnau am schmalen Wanderweg vorbei, auf der linken Seite kann man alte und kräftige Bäume im angrenzenden Wald sehen. Dieses Waldstück gehört bereits zum Eibia-Gelände.

Eibia-Gelände: Geschichte zum Anfassen

Eibia ist der Name einer Pulverfabrik, die ab 1938 hier zunächst Versuche für Pulvermunition durchführte und später diese auch produzierte. Auf dem Eibia-Gelände von rund 230 Hektar wurden knapp 20 Kilometer Straßennetz und 10 Kilometer Schienennetz verlegt. Die über 200 Gebäude waren von oben gut mit Bäumen und Sträuchern getarnt, einige Anlagen waren unterirdisch angelegt. Ende des Zweiten Weltkrieges war die Eibia GmbH der größte Pulverproduzent Deutschlands – 6000 Mitarbeiter, darunter auch Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern, haben hier rund um die Uhr gearbeitet.

Ein Überbleibsel der Eibia GmbH (Foto: CHristiane Kürschner)

Heidelandschaft auf dem Archäologischen Wanderpfad Borg

Nach circa 2,5 Kilometern auf dem schmalen Wanderweg sieht man auf der linken Seite Holzstufen, die auf den Archäologischen Wanderpfad Borg führen. Vorher stoßen Wanderer, die diesen Weg wählen, jedoch noch auf ein Gebäude, auf dessen Dach Moose, Gräser und Bäume wachsen. Dieses Häuschen ist ein Überbleibsel der Eibia GmbH – hier ist Geschichte zum Anfassen nah.

Geht man daran vorbei, betritt man einen Teil der Lohheide. Macht man die Wanderung zur richtigen Jahreszeit, kann man die Heide wunderschön blühen sehen und den süßen Duft des Heidekrauts riechen. Hier liegen Hügelgräberfelder aus der Bronzezeit (1500 – 1200 v. Chr.) in einer malerischen und blühenden Heidelandschaft. Auf einer Informationstafel kann man sich über die Art und Weise der Begräbnisse und Bauweise der Hügelgräber informieren. Anschließend hält man sich – die Heide im Rücken – links und betritt auf einem breiten Weg wieder Waldgebiet.

Im Wald kann man viele Tiere beobachten<br>(Foto: Christiane Kürschner)

Mit offenen Augen durch den Wald

Von nun an hält man sich wieder in Richtung Bomlitz/Benefeld. Jetzt kann man viele Überreste des Eibia-Geländes entdecken. Alte Steinmauern an den Rändern des Weges markieren die ehemaligen Begrenzungen unterirdischer Tunnel, durch die sich die Eibia-Fahrzeuge bewegten. Von oben konnten Spionageflugzeuge nichts erkennen, denn die Wege waren wie alle Gebäude mit Bäumen und Moos getarnt. Hält man die Augen offen, kann man tiefe Spuren im Wald finden, die auf einstige Tunnel hinweisen. Als Kontrast kommt man immer wieder an großen Feldern von wilden pinkfarbenen Orchideen vorbei, die sich an dem Rand des Flüsschens Bomlitz schmiegen. Wer ein wenig Zeit mitbringt, kann außerdem faszinierende Tierbeobachtungen machen.

Abkühlung im Waldbad Bomlitz

Hält man sich an die Richtungsangaben der Findlinge, nimmt man bei einer Wanderung im Sommer bald eine für den Wald ungewohnte Geräuschkulisse wahr. Kinder und Familien aus der Umgebung verbringen gern ihre Freizeit im Waldbad, das direkt am Wanderweg Richtung Bomlitz liegt. Wanderer die zurück nach Benefeld möchten, gehen jedoch nicht am Waldbad vorbei, sondern halten sich links. Dort kommt man nach wenigen hundert Metern zurück auf die Cordinger Straße, in die man links einbiegt. Vorbei an der Waldorfschule Benefeld, biegt man wiederum links auf die Hauptstraße ein und befindet sich nach wenigen Minuten wieder am Ausgangspunkt der Wanderung.

Der Wanderweg führt idyllisch an einem Bach entlang (Foto: Christiane Kürschner)

Nützliche Informationen

Streckenführung:
Benefeld – Cordinger Mühle – Eibia – Benefeld
 
Gesamtlänge: 12 km
 
Beschilderung:
Man findet in Abständen Findlinge, auf denen zwei mögliche Wege zu Ortschaften angegeben sind. Außerdem kann man sich an den farbigen Markierungen an Bäumen orientieren.

An- und Abreise:
Anreise nach Lüneburg: www.lueneburger-heide.de
Von Lüneburg nach Bomlitz fährt man auf der B 209 weitere 77 km Richtung Drakenburg.
Mit dem Zug fährt man über Hannover nach Walsrode. Von dort geht es mit dem Bus in wenigen Minuten nach Bomlitz.

Unterkunft und Essen:
Übernachtungen in Bomlitz: heideurlaub-bomlitz.de
Übernachtungen und Essen in Soltau: www.soltau.de
Essen in Bomlitz: www.luisenhoehe.de


Anforderungen:
Die Strecke ist nicht anspruchsvoll und kann als längerer Spaziergang geplant werden.

Links:

www.geschichtsspuren.de/artikel/ruestungsproduktion-logistik/58-pulverfabrik-eibia-bomlitz.html
heideurlaub-bomlitz.de


www.niedersaechsische-muehlenstrasse.de

www.waldbad-bomlitz.de

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