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Hermannshöhen: Über Hermannsweg und Eggeweg von Oerlinghausen nach Altenbeken

Heidelandschaft im Natuschutzgebiet Externsteine (Foto: Ursula Pfennig)

von Ursula Pfennig

Die Kammwege durch den Teutoburger Wald und das Eggegebirge gehen nahtlos ineinander über und bieten abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaften mit tollen Ausblicken. Ein Fernwanderweg, der auch für Einsteiger geeignet ist.

Fernwandern für Einsteiger: Der Ich-bin-mal-kurz-weg-Trip

Mit kleinem Gepäck auf große Wanderung gehen – dafür muss man nicht Hape Kerkeling heißen und nach Santiago aufbrechen. Der hier beschriebene Abschnitt der Hermannshöhen bietet sich für 2,5 Schnuppertage ins Fernwandern an. Einfach mal freitags nach Feierabend den Rucksack packen und in den Zug nach Bielefeld steigen. Sonntagnachmittag zum Kaffee ist man wieder zurück und kann von Wäldern, Begegnungen und kleinen Abenteuern am Wegesrand erzählen.

Pluspunkte:

Abwechslungsreiche Landschaft, einfacher Weg, gute Anbindung an die Bahn, dichtes Netz von Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten.

An- und Abreise:

Die gute Anbindung an die Bahn ist für Mehrtagestouren ein wesentlicher Vorteil (z. B. auch gegenüber dem Sauerland). Anfahrt über Bielefeld Hbf. Von dort fahren zweimal stündlich Züge nach „Oerlinghausen Bahnhof“ (10 – 14 Min. Fahrtdauer). „Oerlinghausen Bahnhof“, 3 km von Oerlinghausen entfernt in Asemissen. Von hier aus mit dem Bus oder zu Fuß nach Oerlinghausen. Abreise von Altenbeken mit Zügen Richtung Bielefeld, Paderborn, Hannover, Düsseldorf und Münster.

Markierung:

Der Hermannsweg führt über 156 km von Rheine nach Leopoldstal, der Eggeweg über 71 km von den Externsteinen nach Niedermarsberg im Sauerland. Beide sind zertifiziert als Premiumwanderwege „Wanderbares Deutschland“. Das weiße H auf schwarzem Grund markiert den Hermannsweg, das weiße X auf schwarzem Grund den Eggeweg (der hier dem Europäischen Fernwanderweg E1 entspricht). An manchen Stellen, besonders in den Ortschaften, lässt die Markierung jedoch noch zu wünschen übrig. Besser Karten mitführen (z. B. „Hermannsweg“ und „Eggeweg“. Wanderkarten Leporello 1.25.000 von PublicPress) oder den Track aufs GPS laden.

Wanderzeichen: Das weiße H markiert den Hermannsweg (Foto: Ursula Pfennig)

Luchse, Heide, Zauberwälder:

Die Sehenswürdigkeiten auf den Hermannshöhen sind dicht gesät: Hermannsdenkmal, Externsteine, jede Menge archäologischer Fundstätten. Hauptattraktion ist jedoch der Wald. Geologische Besonderheiten und menschliche Einflüsse haben eine ausgesprochen abwechslungsreiche Landschaft hervorgebracht. Laubwälder, Nadelwälder, Moore, Heidelandschaften und Spuren menschlicher Zivilisation greifen eng ineinander. Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren ist groß, auch Luchs und Wolf haben sich in den Wäldern wieder angesiedelt und liefern den Befürwortern eines Nationalparks gute Argumente.

Planung:

Da entlang des Weges zahlreiche Möglichkeiten zur Übernachtung bestehen und die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel relativ gut ist, ist man bei der Planung der Etappen flexibel. Alternativ zur hier beschriebenen Tour kann man z. B. auch in Bielefeld starten und von Leopoldstal Bhf. zurück an den Ausgangsort gelangen (über Lage, 1 h Fahrtzeit).

Schlafen:

Hörste
Haus Sternberg
Am Sternberg 6, Tel. +49 5232 88682,
www.haus-sternberg.de
Anna Krüger vermietet die großzügigen Appartements auch für eine Nacht (ca. 35 € bei Einzelbelegung), auf Wunsch auch mit einem guten und reichhaltigen Frühstück, das sie auf dem Zimmer serviert (7,50 €). Kleine Hunde sind auf Nachfrage erlaubt. 

Blick vom Stemberg auf Holzhausen (Foto: Ursula Pfennig)

Leopoldstal
Alte Schule Leopoldstal
Silbergrund 62
Tel. +49 5234 879091
www.alte-schule-leopoldstal.de
Gesine Bahn und Margret Hanneforth verwirklichten einen Lebenstraum, als die beiden im Jahr 2009 die alte Schule von Leopoldstal renovierten und im Erdgeschoss eine Pension einrichteten. Sehr schöne, schlichte Zimmer mit Holzmöbeln, ohne Fernseher. Meditations- und Yogaraum. Exzellentes Frühstück mit Lebensmitteln aus der Region, zum Teil in Bio-Qualität. Einzelzimmer für eine Nacht 36 € (inkl. Frühstück, mit Terrasse, Dusche auf dem Flur). Hund auf Nachfrage erlaubt.

Horn-Bad Meinberg
Waldhotel Bärenstein
32805 Horn-Bad Meinberg
Tel. +49 5234 2090
www.hotel-baerenstein.de.

Essen:

Bienenschmidt
Traditionelles Waldgasthaus
Tel. +49 5232 990202
Kalkreute 100
32791 Lage
kontakt@bienenschmidt.de
www.bienenschmidt.de

Etappen:

1. Tag: Asemissen – Oerlinghausen – Hörste
Zum Auftakt nach Feierabend
10 km, 334 Höhenmeter, 302 m Abstieg

Am Startpunkt nicht verwirren lassen: „Oerlinghausen Bahnhof“ liegt nicht in Oerlinghausen, sondern in Asemissen, einem Ortsteil von Leopoldstal. Zum Hermannsweg in Oerlinghausen sind es von dort aus etwa 3 km. Da die Busse vor allem am Wochenende nur selten verkehren, wird hier der Fußweg beschrieben: Aus dem Bahnhof kommend links über die Bahnhofstraße bis zur Hauptstraße gehen. Rechts der Hauptstraße folgen, Detmolder Straße überqueren, etwa 800 Meter weiter auf der Hauptstraße (L751), bis links die „Rathausstraße“ zwischen Wiesen und Feldern abbiegt.

Auf den Hermannshöhen gibt es artenreiche Mischwälder (Foto: Ursula Pfennig)

Am Ortseingang von Oerlinghausen umweht Vanilleduft die Oetkerschen Produktionsstätten. Auch an schicken Villen hie und da ist zu erkennen, dass Ostwestfalen manches wohlsituierte Familienunternehmen treu geblieben ist. Am Friedhof vorbei geht es in den Ortskern, dann steil bergauf. Von hier aus ist der Weg über die „Oerlinghauser Himmelsleiter“ zum Tönsberg mit der „Kumsttonne“ ausgeschildert. Die „Kumsttonne“ auf dem Tönsberg ist eine Windmühle, der im Sturm die Flügel weggeflogen sind. Die landläufige Bezeichnung ist hergeleitet von „Kumst“ für „Kraut“ – das Wort bedeutet also „Sauerkrautfass“. Ein erster Blick von den Hermannshöhen ins Tal: Seit der Ankunft am Bahnhof sind 3 km und 135 m Höhenunterschied überwunden.

Der Gebirgswall von Teutoburger Wald und Eggegebirge, zusammen als Hermannshöhen vermarktet, ist nicht hoch, aber schmal. Auf jeder Karte fällt dieser steinerne Wall auf, der sich wie eine steile Falte um die Münsterländer Bucht legt. Tatsächlich wurden die Gesteinsschichten hier gestaucht und gekippt. Daher kam es zu so spektakulären Klippen wie den Externsteinen. Und daher wandert man mal auf sandigen, mal auf tonigen Böden, streift durch Moore, Quellgründe und Buchenwälder.

Beim Wandern über den Hermannsweg durchquert man die schönsten Wälder (Foto: Ursula Pfennig)

Zusätzlich überformte der Mensch die Landschaft, und das seit Jahrtausenden. Denn der Mittelgebirgskamm bot sich bereits in prähistorischer Zeit als Siedlungsort an. Der Wald ist voll mit Wallburgen und Ruinen. Alte Pflastersteine unter den Füßen erinnern an die Kutschen, die hier entlangzogen. Die Beweidung durch Schafe ließ an manchen Stellen eine Heidelandschaft entstehen. Brombeeren und Brennnesseln zeigen im Wald die Standorte ehemaliger Häuser, Ställe und Schuppen an. Die Spuren der menschlichen Zivilisation sind allgegenwärtig – und ordnen sich doch dezent der Natur unter.

Hermannsweg bei Holzhausen-Externsteine (Foto: Ursula Pfennig)

Nun geht es auf dem Hermannsweg (hier als „Oerlinghauser Meditationspfad“ von besinnlichen Sprüchen begleitet) immer geradeaus über den Kamm des Teutoburger Waldes. Wer sich für Archäologie interessiert, sollte für diesen Abschnitt etwas mehr Zeit einplanen, denn es gibt viel zu sehen: Das Sachsenlager ist eine mächtige Wallburg aus karolingischer Zeit, die „Hünenkapelle“ eine Ruine einer frühmittelalterlichen Kirche. Bronzezeitliche Hügelgräber liegen etwas weiter unterhalb des Kammwegs.

Der Weg führt weiter zu Bienen-Schmidt, einem urigen Waldgasthof. Wer in Hörste übernachten will, hat es nun nicht mehr weit und kann sich ein Bierchen genehmigen. 1,3 km hinter Bienen-Schmidt steigt man vom Hermannsweg über den Trimm-dich-Pfad nach Hörste ab.

2. Tag: Hörste – Hermannsdenkmal – Externsteine – Leopoldstal
Wälder, Quellen, Mythen

24 km, 927 Höhenmeter, 572 m Abstieg

Nach dem Aufstieg von Hörste passiert man das Naturdenkmal der Rethlager Quellen. Es sind Karstquellen – also Quellen im Kalkgestein, deren Schüttung sich je nach Wetter ändert. Mal bilden sie kleine Teiche, dann wieder versickert das Wasser in der Schlucht. In der Nähe der Quellen wurden steinzeitliche Siedlungsspuren gefunden.

Die Donoper Teiche hingegen, einige Kilometer weiter auf dem Hermannsweg, wurden bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) als Tränken für die Senner Pferde angelegt. Die Markierung war hier im April 2012 dürftig. Der Weg führt nach Überquerung des Hasselbachs rechts am Donoper Teich vorbei. An der Wegkreuzung kurz vorm Krebsteich geht es wieder rechts über den Bach am Teich vorbei zur Landstraße L938. Schräg gegenüber führt wieder ein Weg in den Wald. An der Wegekreuzung nach wenigen Metern links abbiegen, bis man auf die zum Teil asphaltierte Straße „Hermannsweg“ trifft. Jetzt wieder auf die Markierungen achten, denn bald geht es steil durch den Wald hinauf zum Hermannsdenkmal.

Deutscher Dackel nebst Hermann dem Cherusker (Foto: Ursula Pfennig)

Das Hermannsdenkmal: 1838 –1875 erbaut, Gesamthöhe 53,46 m. Kolossal ist es unbestritten. Gestritten wird über seine historische und politische Bedeutung. Historisch, weil die Varusschlacht, an die es erinnert, nicht an diesem Ort stattgefunden hat und weil Arminius, deutsch „Hermann“, nicht unbedingt der große Held war, der die Herrschaft der Römer zurückdrängte. Es wurde gebaut, als nach den Napoleanischen Kriegen der nationalistische Gedanke eines vereinten Deutschlands noch mit Freiheit und Demokratie in Verbindung gebracht wurde (auch Heinrich Heine soll sich für die Errichtung engagiert haben). Vereinnahmt durch die Nazis war es nach dem Krieg umstritten, wurde dann jedoch rehabilitiert und zieht nach wie vor Ausflügler in Scharen an. Kleiner Tipp: Von den Biertischen am Kletterpark schaut man in den Wald, von der Gastronomie am Parkplatz auf viel Beton.

Hinter den Parkplätzen geht es nun ein Stück die Straße hinunter, bevor der Hermannsweg wieder in schöne Misch- und Laubwälder hineinführt. Der Weg führt durch Hahnberg mit der Adlerwarte Berlebeck, vorbei an der „Vogeltaufe“, einem Gedenkstein zur Erinnerung an die Zeit der Missionierung der Germanen, zum nächsten Höhepunkt: den Externsteinen.

Geologisches Phänomen mit mystischer Aura: die Externsteine (Foto: Ursula Pfennig)

Die Externsteine sind zunächst einmal ein Naturphänomen. Die Sandsteinformationen ragen fast 50 Meter hoch wie Türme über ein relativ ebenes Gelände. Geologen sprechen von „Felsburgen“. Die Sandsteinschicht wurde hier so stark gekippt, dass sie genau senkrecht steht und im damals tropischen Klima aus den weicheren Gesteinsschichten herauspräpariert. Im Laufe der Jahrhunderte haben Menschen die Felsen bearbeitet. Es wurden Treppen angelegt, Grotten ausgestaltet, Reliefs hineingeschlagen, darunter auch ein monumentales mittelalterliches Kreuzabnahmerelief. Ob die Externsteine bereits in vorchristlicher Zeit Kultstätte waren, ist umstritten. Die Nazis hatten großes Interesse am Nachweis einer germanischen Kultstätte und beflügelten den Mythos der Steine. Danach wurde das Thema lange tabuisiert und Heimatforschern überlassen. Ernsthafte Wissenschaftler fanden kaum Hinweise auf heidnische Rituale in vorchristlicher Zeit. Die Esotheriker, Neoheiden, Gothic- und Germanen-Fans stört das wenig. Sie sprechen von Kraftorten, schleppen mit verzücktem Blick wunderliche Wurzeln durch den Wald und trommeln zur Walpurgisnacht.

Die Externsteine markieren die Grenze zwischen Teutoburger Wald und Eggegebirge. Hier beginnt nun auch der Eggeweg, der bis Leopoldstal noch parallel zum Hermannsweg verläuft.

Heidelandschaft auf Lippisch Velmerstot (Foto: Ursula Pfennig)

In den Wäldern rund um die Externsteine verweben sich die Spuren natürlicher Artenvielfalt und menschlicher Zivilisation zu einem wahren Zauberwald. Im Naturschutzgebiet Externsteine lichtet sich der Wald, man findet Bergheiden mit kleinen Mooren, in denen Wacholder, Moorbirken und Blaubeeren wachsen. Eschen, Erlen und Ilex bereichern die Fauna, einzelne alte Eichen setzen Akzente. Zum Teil handelt es sich hier um alte „Hutewälder“, in denen die Menschen ihr Vieh weideten.

Weiter geht es unter der B1 hindurch über den Knieberg zur Silbermühle, einem großen Gasthaus mit Blick auf einen Mühlenteich von der Dimension eines kleinen Sees. Der Hermannsweg führt von hier aus durch das romantische Silberbachtal auf den 441 m hohen Gipfel „Lippische Velmerstot“ und dann wieder hinab zum Bahnhof Leopoldstal. Wer sich diesen letzten Aufstieg sparen will, gelangt über den X10 direkt nach Leopoldstal, wo die „Alte Schule Leopoldstal“ zur Übernachtung einlädt.

3. Tag: Leopoldstal – Altenbeken
Gemütlicher Ausklang im Eggegebirge

13 km, 417 Höhenmeter, 410 m Abstieg
 
Wieder steht der Aufstieg auf den Kamm am Anfang des Tages. Der Weg auf den Doppelgipfel beginnt direkt hinter der Alten Schule. Oben angelangt, geht es rechts auf die Lippische Velmerstot, links auf die Preußische Velmerstot. Links ist der richtige Weg Richtung Altenbeken. Doch hier lohnt auf jeden Fall ein kleiner Abstecher von rund 500 m. Heidekraut überzieht den Bergrücken der Lippischen Velmerstot, auf dem Gipfel selbst liegen Sandsteinbrocken frei, denen mehrere Gedenksteine hinzugefügt wurden. Von hier aus sieht man nicht nur das Hermannsdenkmal, sondern auch das Sauerland, das Lipperland und bei guter Sicht sogar den Habichtswald bei Kassel.

Eggeweg hinter Preußisch Velmerstot (Foto: Ursula Pfennig)

Auf dem selben Weg zurück erreichen wir wieder die Weggabelung und gehen weiter zur Preußischen Velmerstot (468 m) mit dem Eggeturm mit ebenso spektakulärem Ausblick. Nun geht es über den Bergrücken des Eggegebirges ohne weitere Steigungen parallel zu einer wenig befahrenen Militärstraße immer geradeaus durch Laub- und Mischwälder. Der Eggeweg führt bis nach Marsberg im Sauerland. Wir steigen nun jedoch nach Altenbeken ab, um dort den Zug zurück in den Alltag zu nehmen.


Text und Fotos: Ursula Pfennig

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