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Glacier 3000: Kaffee mau, Erlebnis wow…

Ein Gletscher, zwei Gipfel, eine Hängebrücke – und das in 3000 Metern. Erlebnisse in Gstaad und im Berner Oberland

Der Peak Walk verbindet den Nebengipfel „View Point” mit dem Hauptgipfel „Scex Rouge” (Foto: Alexander Richter)
Peak Walk Glacier 3000

Unter mir gähnt nur noch Abgrund. Jetzt nur nicht stolpern, schießt es mir durch den Kopf. Weiter und immer weiter. Tapfer sein. Höhenangst darf man hier keine haben. Die Hängebrücke hoch oben in der Region „Glacier 3000“ in den Schweizer Alpen will bewältigt werden. 107 Meter über dem Nichts. Am Ende aber geht alles gut. Der Weg hinüber ist gesichert, eigentlich kann gar nichts passieren. Und dennoch: Wo hat man das schon, dass auf 3000 Meter Höhe ein begehbares Stahlungetüm zwei Gipfel miteinander verbindet? Die Schweizer haben’s erfunden – wer sonst?

In 3000 Metern Höhe liegt, an einem schroffen Fels nahe des Peak Walk, das Restaurant Botta mit Blick auf die Alpenlandschaft (Foto: Alexander Richter)
Restaurant Botta in der Region Glacier 3000

Zwischen alpiner Echtheit und Mondäne

Ausgangspunkt für das Gipfel-Abenteuer ist Gstaad, dieser bodenständige und gemütliche Ort, der alpine Echtheit lebt und dennoch mehrmals im Jahr ins Mondäne abhebt. Bei den Swiss Open im Tennis zum Beispiel. Beim Polo Gold Cup. Beim Volleyball. Aber auch beim Menuhin Festival. Oder der schon legendären Country Night und diversen Winter-Events. Mit dem Auto sind’s knappe 40 Minuten durchs Saanenland zu den Talstationen in Reusch oder Col du Pillon, von wo großräumige Gondeln in die Höhe starten und den Besuchern stolze 24 Viertausender vor Augen führen. Matterhorn. Mönch. Eiger. Jungfrau. Sogar der Mont Blanc. Viele bekannte Gipfel sind zum Greifen nah.

Wir greifen oben an der Bergstation auf 2971 Metern erst einmal zu einem Kaffee im Restaurant Botta, das der gleichnamige Star-Architekt Mario B. futuristisch und gewagt an und auf den schroffen Fels gesetzt hat. Der Kaffee ist mau, das Gebäude wow… Dann geht’s an den Abgrund.

Der Weg über die Gletscher (engl. Glacier) ist mühsam und sollte mit größter Vorsicht begangen werden (Foto: Alexander Richter)
Gletscher Warnschild

Gipfelstürmen auf dem Peak Walk

Es gibt nur eine einzige Hängebrücke auf der ganzen Welt, die zwei Berggipfel miteinander verbindet. Und vor der stehen wir jetzt hier im Berner Oberland. Sie heißt Peak Walk und da heute vieles irgendwie werbefinanziert ist, muss hier auch noch der Zusatz „by Tissot“ erwähnt werden. Irgendwie kommt mir der Gedanke: Es ist fünf vor zwölf…

Die kühn geschwungene Brücke verbindet, 80 schmale Zentimeter breit, den Vorgipfel (View Point) mit dem fünf Meter höher gelegenen Hauptgipfel (Scex Rouge). Die Aussicht wäre grandios, würde man den Kopf heben, nur gucken die meisten auf ihre Füße. Die chinesische Reisegruppe marschiert hintereinander im Gleichschritt. Ein junges Paar, englisch parlierend, fotografiert sich permanent mit dem Selfiestick. Einige gehen freihändig hinüber, andere halten sich (wie ich) am Geländer fest. Dann ist es geschafft, ich bin drüber  – in weniger als zwei Minuten. Und jetzt ist auch meine Aussicht grandios.

Nichts für schwache Nerven: Auf 3000 m Höhe schwingt die Hängebrücke 107 m über dem Abgrund (Foto: Alexander Richter)
Hängebrücke Peak Walk Glacier 3000

Der Rückweg ist ein Kinderspiel. Den Watch-Shop in der Bergstation (na klar: Sponsor Tissot lässt grüßen!) lassen wir links liegen und wandern stattdessen auf dem Gletscher. Der Weg ist mühsam, immer wieder sackt man ein, es hat über Nacht getaut.

Überragend: Die Aussicht auf die Schweizer Alpen (Foto: Alexander Richter)
Alpenview

Auf zum Teufelskegel

Verlaufen kann man sich nicht: Der Weg ist markiert und man sieht das markante Ziel permanent am Horizont – die Quille du Diable, den Teufelskegel, ein einsamer, senkrechter Felsblock, um den sich viele Sagen und Geschichten von bösen Geistern und Teufeln, die Besucher mit Steinen bewerfen, drehen. Uns haut freilich kein Stein um, dann schon eher die Gerstensuppe, die hier oben im urigen Refuge l’Espace mundet wie nirgends auf der Welt – einfach köstlich. Den Weit- und Ausblick ins Wallis und in die alpine Welt gibt’s gratis dazu. Zurück zur Bergstation leisten wir uns dann den gewaltigen Pisten-Bully, der hier oben zu bestimmten Zeiten auch als Shuttle verkehrt.

Urig geht es in dem „Refuge l'Espace” am Fuße des Teufelskegels zu (Foto: Alexander Richter)
Quille du Diable und Refuge l'Espace

So weit, so schön ist dieser Teil des Gletscherspektakels. Der Rest von Glacier 3000 ist ein Franken verheißendes Zugeständnis an den Massengeschmack. Ein Fun-Park, die wahrscheinlich höchstgelegene Rodelbahn der Welt, eine Hundeschlittenstation und jede Menge Ski-Spaß – der Gletscher hat hier auch Ähnlichkeiten mit einem Rummelplatz. Vielleicht muss das heute auch so sein, um auf eine tragende Gästezahl zu kommen, wer weiß das schon? Tipp: Wer früh morgens hochfährt (die Retour-Fahrt kostet 79 Franken), hat die eisbedeckte Höhe noch ziemlich für sich.

Mit diesen Schneefahrzeugen kann man sich für 79 Franken transportieren lassen (Foto: Alexander Richter)
Schneefahrzeug Glacier 3000

Zurück in Gstaad mit seinen aufgehübschten Häusern im Chalet-Stil, wo u.a. Stars wie Formel-1-Boss Bernie E. und die nimmermüden Rock-Röhren Tina T.  und Madonna C. alleine oder bei und mit Freunden wohnen, besuchen wir einen der über 200 Landwirtschaftsbetriebe. 80 noch betriebene Almen und über 7000 Kühe können nicht irren: Der Käse von hier muss ein großer sein. Wir steigen ab in einen früheren Wasserspeicher, der heute die Käsegrotte der städtischen Molkerei darstellt und sind begeistert: So muss Käse schmecken. Einige Stücke der über 3000 hier lagernden Käselaibe können wir probieren und beschließen spontan: Da nehmen wir welchen mit nach Hause.

Gesagt, getan – und dann in der Minibar des Hotels, in der der Käse schön gekühlt wurde, vergessen. Noch am Bahnhof für den Zug zurück nach Bern fällt mir ein: „Wo ist der Käse?“ Den bringt mir dann der freundliche Concierge Nourdine aus dem charmanten Grand Hotel Park flugs und wie selbstverständlich persönlich vorbei. Da sieht man’s wieder: Die Schweiz kann so schön sein, wenn nur der sauteure Franken nicht wäre…

Berner Splitter

Wer ins Berner Oberland fährt, sollte (muss) vorher in der Hauptstadt der Eidgenossenschaft Station machen. Hier vier Insider-Tipps.


Jedes Jahr findet am vierten Montag im November der "Zibelemärit" statt (Foto: Bern Tourismus)

Der Zibelemärit

Der „Zibelemärit" (Zwiebelmarkt) ist ein traditionelles Volksfest, das jeweils am vierten Montag im November stattfindet. Bauern aus der Umgebung von Bern bringen über 50 Tonnen Zwiebeln – in kunstvoll geflochtenen Zöpfen – und Knoblauch in die Hauptstadt der Eidgenossenschaft. Bunte Marktstände mit Keramikgeschirr, Magenbrot, Gemüse und Andenken werden dem Besucher präsentiert. Nicht fehlen darf der Ausschank von Glühwein, um den winterlichen Temperaturen zu trotzen. Bereits um 5 Uhr in der Früh herrscht Großandrang in den Gassen und Hunderte von Besuchern aus dem In- und Ausland strömen in die Altstadt. An diesem Tag werden in den Gaststätten Käse-, Zwiebelkuchen oder Zwiebelsuppe angeboten – das verbreitet einen würzigen, manchmal auch delikaten Duft. In den Straßen liefern sich jüngere Besucher Konfettischlachten und vergnügen sich auf dem Rummelplatz. Der Termin in diesem Jahr ist der 23. November.

Vollmondfondue auf dem Hausberg

Romantisch geht es auf dem Berner Hausberg Gurten (858 m) jeweils bei Vollmond und noch bis in den März 2016 hinein zu. Das Vollmondfondue findet bei Mondschein statt und ist für alle Feinschmecker und Romantiker ein absolutes Leckerli. Die volle Kugel des Erdtrabanten spiegelt sich auf der Terrasse des „Bel Etage" im geschmolzenen Feinschmeckerkäse des Fondue-Topfs.


Zytgloggerichter Markus Marti zieht die Uhr alle 28 Stunden per Hand auf (Foto: Alexander Richter)

Inside Zytglogge

Viele Städte, deren Gründung aufs Mittelalter zurückgeht, sind stolz auf Gebäude, deren Ursprünge aus jenen Tagen stammen. In Bern ist dies der Zytglogge, der Uhrenturm in der Unesco-Welterbe Altstadt. Dieses Wunderwerk der Technik aus dem 16. Jahrhundert läuft und läuft und läuft – muss dazu aber alle rund 28 Stunden von Hand aufgezogen werden. Das erledigt in Bern der Zytgloggerichter Markus Marti. Der freundliche Mitsechziger ist eine wandelnde Uhr – er macht seit fast 40 Jahren diesen Job gegen kleines Geld und kann 1001 U(h)r-Geschichte erzählen. Gäste können über Bern Tourismus eine Führung „Inside Zytglogge“ buchen – und wenn man Glück hat, ist dann auch der nette Herr Marti mit von der urigen Partie…

Einstein und Klee

Die Deutschen wollen immer zum Wankdorf-Stadion, wo die Herberger Jungs 1954 das Wunder von B. schafften und ihren ersten WM-Stern fürs Trikot holten. Die legendäre Arena gibt’s indes nicht mehr, wurde abgerissen und durch das moderne Stade de Suisse ersetzt. Was aber auf alle Fälle einen Besuch lohnt, sind zwei tolle Museen, die Berner Bürgern gewidmet sind. Da ist das Zentrum Paul Klee (www.zpk.org), etwas außerhalb gelegen (Bus Nr. 12 bis Endstation), das von außen (Architekt ist Renzo Piano) wie von innen gleichermaßen beeindruckt.  Klee, bei Bern geboren, war einer der ganz großen Expressionisten seiner Zeit.


Lohnt einen Besuch: das Museum Paul Klee in Bern (Foto: Bern Tourismus)

Auch Albert Einstein (1879–1955) lebte in Bern, als er 1905 mit seiner Relativitätstheorie die gängigen Vorstellungen von Raum und Zeit auf den Kopf stellte. „Sein“ Haus in der Kramgasse ist in der 2. Etage eingerichtet wie zu seiner Zeit und vermittelt einen Einblick in das Leben des Genies.

Text und Fotos: Alexander Richter

Hinweis der Redaktion
Diese Reportage wurde unabhängig recherchiert, geschrieben und fotografiert. Logistische Unterstützung gab es von Schweiz Tourismus.

Alle Angaben wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Wandertouren-Magazin.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.



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