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Sextener Dolomiten – Wanderungen und Klettersteige rund um die Drei Zinnen

Die Büllelejochhütte mit ihrer urigen Gemütlichkeit (Foto: Jörg Paschke)

Eine Wandertour durch die Dolomiten setzt eine gute Kondition voraus. Mit guter Ausrüstung und Vorbereitung erlebt der Wanderer eine Tour, die sich lohnt.

Die östlichste Gipfellandschaft der Dolomiten bilden die Sextener Dolomiten. Innerhalb dieser Berggruppe sind die Drei Zinnen die berühmteste Formation der Alpen, die seit ihrer Erstbesteigung die Entwicklung des Alpinismus prägt. Zuletzt hat der Kletterer Alexander Huber im Jahr 2007 mit der Route Pan Aroma (11-) an der Westlichen Zinne einen neuen Markstein gesetzt.

Berglandschaft als Zeitzeuge des Ersten Weltkrieges

Die einzigartige Landschaft dieser Region, die durch scharfkantige, steile Türme und klobige Berge gekennzeichnet ist, lässt deutliche Spuren des Ersten Weltkriegs erkennen. Kilometerlange Versorgungswege, Bunker und Artilleriegeschütze wurden angelegt, um den Kampf an der Dolomitenfront zu gewinnen.

Heute gehören die historischen Versorgungswege wie der Alpinisteig oder der De Luca – Innerkofler-Steig, der auf den Paternkofel hinaufführt, zu den bergsteigerischen Klassikern. Sie sind Zeitzeugen eines grausamen Krieges.

Anspruchsvoller Aufstieg mit lohnendem Ausblick

Idealer Startpunkt für eine Rundtour ist die Talschlusshütte (1548 m), die man über Sexten, Bad Moos und den Fischleinboden erreicht. Über den viel begangenen Wanderweg 103 des Bacherntals wandert man zunächst durch aufgelockerten Wald bis zur Zsigmondyhütte (2224 m) oberhalb der Baumgrenze hinauf. Dort angekommen, hat man eine herrliche Aussicht auf die Dolomitengipfel der Sextener Sonnenuhr. Wer noch nicht genug für den ersten Tag hat, lässt die Zsigmondyhütte hinter sich und verlängert die Wanderung um eine knappe Stunde, indem man am Zwölferkofel links vorbei läuft und über das Giralbajoch (2431 m) zum Rifugio Carducci (2297 m) geht.

Wintereinbruch im Hochsommer (Foto: Jörg Paschke)

Nach einer geruhsamen Nacht im Lager des Rifugio Carducci und einem ausgedehnten Hüttenfrühstück geht man wieder zurück über das Giralbajoch zur Zsigmondyhütte. Dort verläuft der Weg 101 über das Oberbachernjoch zur Büllelejochhütte (2528 m), die mit 13 Lagerplätzen sowie einer gemütlichen Innenausstattung ihren eigenen urigen Charme versprüht.
Entlang des Weges 101 wandert man weiter zum Büllelejoch und in Geröll-Serpentinen hinab zur Böden Alp. Man geht nun oberhalb des Talbodens links am Berghang und rechterhand an den glasklaren Bödenseen weiter, bis man nach einer guten Stunde die Dreizinnenhütte (2438 m) erreicht. Die im Jahr 1882 erbaute Hütte war das erste Schutzhaus des gesamten Alpenraums. Mit einem perfekten Ausblick auf die imposanten Drei Zinnen ist heute ein reges und geschäftiges Treiben mit bis zu 2000 Tagesgästen keine Seltenheit mehr. Ein frühes Buchen der Lagerplätze ist notwendig, um ein freies Bett zu bekommen.

Die Drei Zinnen vom Gipfel des Toblinger Knotens gesehen (Foto: Jörg Paschke)

Durch Tunnel und Stollen zum Gipfelkreuz

Ein weiteres lohnendes Ziel ist die Besteigung des Paternkofel (2.744 m) über den De Luca–Innerkofler-Steig. Man wandert von der Dreizinnenhütte in Richtung des Nordgrats und geht an einem spitzen Felsturm - dem Frankfurter Würstel - vorbei, bis man zu einem Tunneleingang kommt.

Ein Schützenloch in der Galeria Paterna (Foto: Jörg Paschke)

Hier müssen Helm, Stirnlampe und das Klettersteigset angezogen werden, um das dunkle Stollensystem der Galeria Paterna aus dem Ersten Weltkrieg zu erkunden. Steil geht es die Treppen empor, bis man den Stollen nach links verlässt und zum Gipfelaufschwung kommt. Über Rinnen und Bänder erreicht man das auf 2.744 m hoch gelegene Gipfelkreuz.

Fantastische Aussicht vom De-Luca-Innerkofler-Steig (Foto: Jörg Paschke)

Der Abstieg erfolgt direkt durch eine steile Schotter-Rinne hinab zur Gamsscharte und letztendlich zur Passportenkar. Durch einen Stollen wechselt man die Bergseite und kommt über Bänder hinab zum Paternsattel (2454 m) und dem Rifugio Lavaredo (2.385 m). Ein alternativer Abstieg, der etwas länger doch dafür umso schöner ist, geht über die Gamsspitzen auf den gut gekennzeichneten Schartensteig. Nach der Überquerung einer luftigen Hängebrücke steigt man durch ausgesetzte Kamine und Bänder über zwei Scharten drahtseilversichert zur Büllelejochhütte. Von dort nimmt man den Weg 104 hinab zum Lago di Cengia (2.324 m) und durch ein Hochtal zum Rifugio Lavaredo.

Durch dunkle Kamine verläuft der Leiternsteig des Toblinger Knotens (Foto: Jörg Paschke)

Bevor man am nächsten Tag den Heimweg antritt, ist die Besteigung des Toblinger Knotens über den Leiternsteig ein krönender Abschluss dieser Hüttentour. Über den Paternsattel wandert man zurück zur Dreizinnenhütte. Hinter der Hütte führt ein Weg am Sextener Stein vorbei zum Toblinger Knoten (2.617 m). Über ein luftiges Band gelangt man links um den Berg herum zum Eingang des Leiternsteigs. Drahtseile führen in den dunklen Kamin der Nordwand hinein, bis dann die zahllosen Sprossen der Leitern den Weg fortsetzen. Teilweise sind große Spreizschritte notwendig, um an Höhe zu gewinnen. Die griffige, ausgesetzte Abschlusswand führt zum Gipfel mit grandiosem Blick auf die Drei Zinnen. Über den Feldkurat-Hosp-Steig auf der Ostseite des Turms gelangt man wesentlich leichter auf den Talboden zurück. Nun wandert man gemütlich auf dem gut befestigten Weg 102 durch das schöne Altsteintal zurück zur Talschlusshütte.

Blick in das Altsteintal, durch das der Abstieg ins Tal führt (Foto: Jörg Paschke)

Nützliche Wanderrouten-Tipps

An- und Abreise
Mit dem Auto über den Brenner nach Italien. Auf der A13 bei der Ausfahrt Brixen-Pustertal abfahren und den Schildern nach Naz Sciaves/Brunneck/Innichen folgen. In San Candido (Innichen) weiter nach Sesto (Sexten) auf der SS52 fahren. In San Guiseppe (Bad Moos) angekommen, biegt man auf der Fischleinstraße (Via Val Fiscalina) rechts ab und folgt der Straße ins Fischleintal. Am Kurhotel Bad Moss gibt es genügend Parkplätze.

Unterkunft & Essen
In allen Hütten ist eine Reservierung der Lagerplätze notwendig. Talschlusshütte, +39/(0)474/710606
Zsigmondy Hütte, +39/(0)474/710358
Rifugio Carducci, +39/(0)435/400485
Büllelejochhütte, +39/(0)337/451517
Dreizinnenhütte, +39/(0)474/972002
Rifugio Lavaredo, +39/(0)349/6028675

Anforderungen
Bei dieser hochalpinen Hüttentour ist eine gute Kondition ratsam. Kenntnisse der Wetterverhältnisse, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind bei den Klettersteigen erforderlich. Natürlich gehören Helm, Stirnlampe und Klettersteigset zur Ausrüstung dazu. Kletterkenntnisse sind von Vorteil.

Text und Fotos: Jörg Paschke

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