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Geocaching: Der Sinn der Suche

Inzwischen wichtiger als ein Kompass: das GPS. (Foto: Johanna Rüdiger/Raufeld)

Geocacher heißen die modernen Schatzsucher, die mit dem GPS-Gerät in der Natur unterwegs sind. Jetzt hat die Tourismusbranche diese Wanderer als Zielgruppe entdeckt.

Es ist ein herrlicher Frühlingstag im Westerwald: Die Sonne scheint, der Löwenzahn blüht malerisch am Wegesrand, und zwischen den Bäumen schimmert blau der Wiesensee hindurch. Doch wir haben nur Augen für das GPS-Gerät, mit dem wir unterwegs sind. Dann, endlich, nach fast zwei Stunden Wanderung - das Gerät zeigt die Koordinaten N:_50°34.929, E:_008°00.608 an - werden wir mit dem ersten Fund belohnt.

Unter einem Steinhaufen am Wegesrand buddeln wir euphorisch eine kleine Tupperdose aus. Der Inhalt: ein bunter Schlüsselanhänger, einige Kugelschreiber. Viel wichtiger als der Schatz selbst ist jedoch das kleine Logbuch, das daneben liegt. Seine Seiten sind noch völlig leer.

"FTF", ruft Geocacher Hendrik Kardinal begeistert, holt einen kleinen Stempel aus der Tasche und drückt ihn auf die erste Seite: "Eminenz hat diesen Cache gesegnet", steht dort jetzt. Eminenz, das ist Hendrik Kardinals Deckname in der Geocaching-Welt, und FTF steht in der Sprache der Geocacher für "first to find". Das bedeutet, wir sind die Ersten, die diesen "Cache" (englisch für verstecktes Lager) entdeckt haben.

Orientierung ist alles - bei der Schnitzeljagd (Foto: Johanna Rüdiger/Raufeld)

Rund 20.000 deutsche Geocacher

FTF, Cache - die Welt der Geocacher scheint auf den ersten Blick recht kompliziert. Dabei ist der Wandertrend eigentlich nur eine moderne Variante der Schnitzeljagd: Ein Geocacher versteckt irgendwo eine Dose mit einem kleinen Gegenstand und stellt die geografischen Daten für das Versteck ins Internet. Schatzsucher wie Hendrik Kardinal laden sich diese Hinweise auf ihr GPS-Gerät, und los geht die Suche.

Als Erfinder des Geocaching gilt der Amerikaner Dave Ulmer, der vor neun Jahren den ersten Behälter in den Wäldern von Oregon vergrub. Nach Schätzungen des Deutschen Wanderverbandes gibt es in Deutschland inzwischen rund 20.000 Geocacher - und mehr als 85.000 Caches, also versteckte Gegenstände.

Nun hat auch die Tourismusbranche den Reiz der Suche für sich entdeckt. Viele Städte schicken Touristen mit GPS-Gerät auf Sightseeing-Touren. Und auch einige Hotels haben das Potenzial der neuen Freizeitbeschäftigung erkannt.

Wo bin ich hier eigentlich? (Foto: Johanna Rüdiger/Raufeld)

Das Geocaching-Hotel

Auch einige Hotels haben sich bereits auf das Geocaching spezialisiert. Sie erleichtern dem Einsteiger mit der neuen Technologie umzugehen. Geocaching light sozusagen: Die GPS-Geräte werden gestellt, die Caches und ihre Koordinaten sind bereits eingelesen.

Und wenn doch einmal ein Caching-Neuling an einer Waldkreuzung steht und in die falsche Richtung abbiegen will, dann ist sofort Roman Lesch zur Stelle, der Outdoor-Trainer des Hotels, um den Wanderer sanft, aber bestimmt, wieder auf den rechten Weg zu führen.

Wer erstmal die Anfangsschwierigkeiten überwunden hat, macht meist weiter: "Die Suchtgefahr ist ziemlich groß", gibt Hendrik Kardinal zu, der seit zwei Jahren dabei ist. Eigentlich arbeitet er in einem Trekking-Fachgeschäft, in seiner Freizeit ist er leidenschaftlicher Schatzsucher und sehr aktiv in der Geocaching-Szene. Über 700 Funde hat er bereits gelogged - so bezeichnet man das Eintragen eines gefundenen Cache in der Internet-Datenbank. Durch diese Auflistung ergibt sich ein Ranking für alle Geocacher in Deutschland.

Rätselhafte Zeichen am Wegesrand (Foto: Johanna Rüdiger/Raufeld)

Klettern, tauchen, abseilen

Mit einer Diashow protokolliert Kardinal seine Suche: "Hier hänge ich an einem Seil unter der Decke einer Autobahnbrücke, hier klettere ich in einer Höhle auf Sardinien, hier tauche ich nach einem Cache, der vier Meter unter der Wasseroberfläche in einem See versteckt ist." Schon beim bloßen Zusehen wird Anfängern schwindlig. Doch auch bei Hendrik Kardinal hatte alles mit einer kleinen Wanderung um seine Heimatstadt Koblenz angefangen, bei der er seinen ersten Cache fand.

So brach der Entdeckertrieb in ihm aus, und inzwischen benutzt er die Caches als eine Art alternativen Reiseführer: Vor jedem Urlaub wird die Region erst einmal auf der Website geocaching.com nach möglichen Funden abgesucht. "Die lokalen Geocacher führen mich so zu ihren Lieblingsorten, die oft in keinem Reiseführer stehen", sagt er. Der eigentliche "Schatz" ist für ihn dabei nebensächlich - die Gegenstände in den kleinen Dosen dürfen sowieso nur dann mitgenommen werden, wenn dafür etwas anderen dagelassen wird.

Und so vergraben auch wir im Westerwald brav die Tupperdose samt Kugelschreiber und Schlüsselanhänger wieder unter dem Stein. Schließlich dürfen wir jetzt unseren ersten  "first to find" loggen - das sollte Belohnung genug sein.

Versteckte Caches weltweit zum Selbstsuchen findet man nach Anmeldung unter www.geocaching.com

Ortung gelungen, weiter geht's! (Foto: Johanna Rüdiger/Raufeld)

Kleines Geocaching-Lexikon

Cache: engl. für kleines Versteck, kleinere oder große Behälter am Ziel mit Tauschgegenständen und einem Logbuch.

FTF: "First to find" bezeichnet den Erstfund eines Caches, eine besondere Ehre für Geocacher.

Multi-Cache: Cache mit mehreren Stationen, die Koordinaten der einzelnen Stationen sind im Internet angegeben, an diesen erhalten die Sucher Hinweise zur nächsten Station.

Mysterycache: Zur Bestimmung der Startkoordinate muss zuerst ein Rätsel gelöst werden, zum Beispiel eine Rechenaufgabe.

Text: Johanna Rüdiger/Raufeld

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